Windturbinen im Kleinformat: Bei Blechtechnik Hall treibt Wind zwei Kraftwerke an

SWP / Jürgen Stegmaier

Vor etwa zwei Jahren ließ das Unternehmen Blechtechnik die Windturbinen installieren. Sie stammen nicht aus eigener Entwicklung oder Fertigung, wie vermutet werden könnte. Gildemeister Energy Solutions lieferte die Windmaschinen. Sichtbares Merkmal der Turbinen sind drei Flügel, die vertikal angeordnet sind. Wenn sie sich drehen, so wie gestern bei frischem Ostwind, beschreiben sie eine stehende zylindrische Form.

Der Hersteller Gildemeister, ein Kunde von Blechtechnik mit erheblichem Auftragsvolumen, bewirbt seine Technik mit den Attributen platzsparend, ergiebig und zuverlässig. "Die hochpräzise gefertigte, direkt angetriebene Motorspindel, ist das Herzstück des Wind Carriers", schreibt der Hersteller.

Die Dreiflügler sind auch ein Blickfang

Die Windturbinen sind insgesamt 14,25 Meter hoch, die Achshöhe liegt bei 9,7 Metern. Eine Anlage wiegt rund 2,5 Tonnen. Der Rotor hat einen Durchmesser von 4,7 Metern. Er läuft bei einer Windgeschwindigkeit von 3,5 Metern in der Sekunde an. Die Nennleistung gibt der Entwickler mit zehn Kilowatt an. Die Anlagen wurden in das Gewerbegebiet Kerz geliefert. Lediglich für die Fundamente und die Verkabelung musste die Blechtechnik selbst sorgen.

Wolfgang Feuchter, Mitgründer, Eigner und Geschäftsführer der Blechtechnik GmbH räumt ein, dass die Windanlagen nicht optimal platziert sind. Sie stehen zwischen zwei Gebäuden. Die Energiemaximierung habe auf der Prioritätenliste allerdings nicht ganz oben gestanden. Wolfgang Feuchter lacht und sagt: "Solche Dinge machen einfach Spaß."

Es werde wohl einige Jahre dauern, ehe sich die Investition rentiere, lässt Wolfgang Feuchter durchblicken. Die Rotoren kosten einige Zehntausend Euro. "Es ging uns aber auch darum, ein Zeichen zu setzen, außerdem sind die Turbinen ein toller Blickfang", sagt Wolfgang Feuchter. Tatsächlich sind die Rotoren, zumindest dann, wenn sie sich drehen, weithin sichtbar.

Greenpeace setzt in Hamburg auf ähnliche Technik

Die Genehmigung der Anlagen sei kein Problem gewesen. In Gewerbegebieten ließen sich Windturbinen bis zu einer Nabenhöhe von zehn Metern verhältnismäßig leicht genehmigen. Nötig sei lediglich eine Baugenehmigung für ein sogenanntes technisches Gebäude. Andere Genehmigungen, wie beispielsweise ein Artenschutzgutachten, seien in diesem Fall nicht zwingend.

Taugen die Anlagen auch für andere Unternehmen? "Eher nicht", räumt Wolfgang Feuchter ein. Oft hätten Landwirte die besseren Standorte. Für sie könnten sich die kleinen Windturbinen rechnen.

Eine ähnliche Technik, mit der aus Windkraft Energie erzeugt wird, kennen Besucher der Hamburger Hafencity. Dort sind auf dem Dach der Greenpeace-Zentrale ähnliche Windturbinen installiert. Auffälliger Unterschied allerdings: Die Flügel der Greenpeace-Anlage sind leicht gebogen.

Die Firma Blechtechnik hat einen Energie-Jahresbedarf von rund 600 000 Kilowattstunden. Zwischen 20 und 25 Prozent könnten mithilfe der Windturbinen sowie Solaranlagen auf dem Dach und im Gelände selbst erzeugt werden.

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